eine blume wird vom frühling geboren und vom winter getötet. ihr 'gott' ist das wetter und das wetter hat viele gesichter. frühling, sommer, herbst, winter und viele launen. sie lebt nicht lange genug, um einen kreislauf zu vermuten und einen allen diesen phasen gemeinsamen durchschnitt im hinblick auf das wesen dieses kreises zu abstrahieren
und ein mensch wird bekanntlich vom storch gebracht ;)
meine überlegung an einem verregnetem tag in meiner späten schulzeit 1997 war nun, dass ich von diesem vogel ein leben lang getragen werde, und dass auch dieser vogel viele gesichter hat, also er ist nicht immer ein storch, sondern auch mal ein adler, falke oder rabe.
die geschichte von diesem flug durch die lebensepisoden (in denen man nicht nur selbst altert, sondern sich auch die äußere welt verändert, weniger natur, immer mehr beton, immer neue technik) in den klauen dieses morphenden vogel, dessen antlitz die essenzielle personifizierung des eigenen schicksals ist, hatte ich stichpunkt artig/impressionistisch notiert.... daneben diese zeichnung:

ein dicker warmer bauch
weiche schenkel
mutter wärme
blut
eine klaffende öffnung
strahlend weiß, ein vogel zwängt sich heraus
schüttelt sein gefieder
ein storch
ausgebreitete schwingen
der vogel erhebt sich
entfernt sich von der mutter
ein feuchtes bündel im schnabel
das baby trocknet im wind
das gesicht beginnt schon zu altern
schwarze haare
pockennarbe
grüne bäume ziehen vorbei
der vogel rast, federn fliegen
lückenhafte schwingen
ein kind 3 jahre
laub fällt
einfache häuser ziehen vorbei
ein schulhaus
gebäude fallen in sich zusammen
der blendende schein des vogels ist verschwunden
gesichtszüge werden erkennbar
aus bauschutt wächst ein betonjungel
grau und schmutzig
federn, dunkelgrau, karge schwingen
datige knochen
der mensch, dick, fett, jugendlich, pickel
vorm gesicht schützend verschränkte arme
panische augen
der vogel rast, hämisches grinsen
eine schönheit streckt die arme aus
streift den jungen mann
vorbei
ein rußiger vogel
vorbei an stahl
drähten
metallikeffekten
oel
staub
autowracks
ein fetter mann an einen rasenden raaben gefesselt
verzweifelte falten im gesicht
eine dunkelbraune schmutzige
dunkle betonwelt rast vorbei
ein rußiger himmel
ein mensch
falten
alter
gebrechlichkeit
faule haut
schmutzige windeln
gefesselt
der schwarze raabe mit erbarmungsloser fratze
verlässt die stadt
eine dunkle lichtung im bentonjungel
alte schwarze bäume
nacht
der vogel verliert federn
es ist ein geier
mit teuflischem grinsen legt der geier fauliges fleisch in feuchte schwarze erde
umgeben von eine dickicht vergammelter gräber
der vogel mit stolz geblähter brust pickt in das verweste fleisch
der leichnahm versinkt im grund
der raubvogel breitet die schwingen aus
gestärkt vom mahl
als adler erhebt er sich
hoch über die baumkronen
weiße federn vom mondlicht bestrahlt
edle züge
ein falke fliegt
sucht
die stadt nähert sich
helles licht
der storch kreißt über einer hightech metropole
eine schlucht
eine enge gasse
zwei gestalten: eine prostituerte und ihr klient
ein sturzflug
ein blitz
ein schrei
dunkelheit
eine frau gebückt kraxelnd
sich an der wand haltend
entfernt sich
beobachtet von einer eule.
sie hat eine weile lang nichts zu tun, als sich in einen storch zu verwandeln ...
| vogel-morphologie | Freitag, April 15, 2011 |
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