introvertierte wahrnehmung (meine interpretation des begriffes, Nr. 34823)

antwort auf die frage im forum: "wie nehmt ihr eure intuition wahr?"

ich weiß nicht, ob ich soviel intuition habe, dass ich den baum (also ihr wesen im einzelnen) vor lauter wald nicht sehe, oder gar keine. was ich für mich intuition nenne sind die visuellen eingebungen, die neu in mir entstehen, im gegensatz zu den selben, sobald ich sie festhalte und in mein reguläres denke integriere, weil sie gut funktionieren, wo sie dann aber eher abrufbare erinnerungen sind, die beim abruf allerdings immer wieder leben eingehaucht bekommen, morphen, sich funktional in den aktuellen kontext eingliedern. im unterschied dazu spreche ich von introvertierter wahrnehmung, wenn ich sowohl das entstehen neuer eindrücke als auch die kultivierung und das ordnen und anwenden alter eindrücke meine. ohne visualisation wäre mein denken gar nichts. mein gesamtes verständnis der wirklichkeit wäre ein anderes (ähem, ich hätte gar keines). aber die informationen, die sich in visualisationen manifestieren können unterschiedlichen ursprung haben. sie können wohl so ziemlich jeden ursprung haben. es macht für mich aber keinen sinn, ausschließlich irgend einen einzelnen dieser ursprünge als 'intuition' zu benennen, als unterscheide er sich prinzipiell von anderen. ich meine zum beispiel einen spirituellen ursprung, also ein bild das vllt irgendwas mit infos über den verbleib einer person in not zu tun hat, etc, von wegen "ein engel flüstert mir was". das sind solche klischees, die halt im volksmund als intuitiv bezeichnet werden. aber in mir sind das einfach eingebungen (sogenannte bilder), die auftauchen, wie alle anderen. also genau wie eine intellektuelle eingebung. darum benenne ich sie phänomenologisch erstmal einheitlich: wahrnehmung (innere visualisation ist auch nur ein teil davon). über die ursprünge differenziert zu spekulieren ist natürlich trotzdem interessant. manchmal spreche ich von "sinn für realität", damit meine ich bewusstes heranziehen und auswählen und prüfen und ordnen von wahrnehmung in irgend einem kontext, im besonderen eine kontextsensitive zuordnung von sprache und (ursprung der) bedeutung der selben, im gegensatz zu einem denken das eher unterbewusst von naheliegender aber nicht unbedingt passender wahrnehmung informiert ist, und sich nur anhand seiner logik oder narrative fortbewegt oder entwickeln kann, nicht durch erneuerung seiner bedeutung.


intuition (ich meine immer noch introvertierte wahrnehmung) zu benutzen (evtl als typologische hauptfunktion) bedeutet für mich, dass man sich von seinen inneren bildern leiten lässt. dafür müssen die bilder selbst ein evolvierender prozess sein und sie müssen außerdem auf etwas wesentliches verweisen (wobei es sich gleichermaßen um den eigenen geist oder den körper, als auch um die 'äußere' menschenwelt handeln kann), sonst könnten es keinen sinn haben, ihnen zu folgen. es gibt für alles wesentliche viele möglichkeiten, sich das selbe zu visualisieren, aber man darf sich nur von demjenigen bild leiten lassen, was im eigenem wesentlichem tatsächlich verankert ist, so wie man ein benutzerinterface (GUI) nur benutzen sollte, wenn es auch funktionen enthält. unter bewusstem introvertiertem wahrnehmen verstehe ich das verb der erzeugung von wahrnehmung. erzeugen meint das verknüpfen von bild und wirklichem. ist einem dieses verb bewusst, so kann man beurteilen (wenigstens erahnen), ob das bild in etwas wirklichem verwurzelst ist oder nicht, wie gut oder schlecht und ob mit dem richtigem (mit dem was man annimmt) oder etwas anderem, und man kann es erweitern und verändern, um es besser mit der wirklichkeit zu verankern. aus einer nondualen perspektive geschieht das natürlich von selbst. die identifikation mit dem prozess (der durch identifikation zum 'verb' wird) ist aber voraussetzung für bewusstes dabei sein, welches wohl energie dort hin schickt, also den prozess verstärkt.

sich von den bildern leiten zu lassen, bedeutet für mich, dass das bewusste arbeiten mit diesen bilder regelrecht das zentrum des eigenen lebens ist. es ist eine priorität und man wählt erfahrungen danach aus, inwiefern sie dem prozess der evolution dieser bilder nützlich sein können. es bedeutet nicht, dass man von diesen eindrücken auswahllos gejagt, sie unmittelbar ausagiert. es ist ja schön, wenn man so impulsiv sein _kann_ , aber schlimm, wenn man muss. die leitung ist innerlich, sie ist in der evolution der bilder und somit mit individualitäts bestimmend. handlungen ergeben sich dann aus der gesamten individualität, werden aber nicht NUR und unmittelbar von diesen bildern erzeugt. handlungen bestehen auch aus takt, kontrolle und natürlich vielem anderem, wie logischen überlegungen. im gegensatz zu jemandem, der sich wie beschrieben von inneren bilder leiten lässt, steht zb jemand, der sich von äußeren erfahrungen leiten lässt. auch hierbei findet eine evolution von bildern statt und individualität wird geprägt. aber die leitung ist nicht in dem selben maße bewusst, weil das bewusste subjekt nicht regulär in den prozess der subjektive verknüpfung von bildern und wirklichkeit involviert ist.

von einer leitung durch bilder zu sprechen ist paradox. wir sind alle total von der qualität unserer bilder abhängig und können in dem sinne nur von ihnen geleitet werden. der andere aspekt ist die evolution der bilder. nondual betrachtet kann man es so empfinden, dass man von der evolution der bilder durch die eigenen entwicklung geleitet wird, bzw sich entwickeln lässt. aber in dem maße, in dem man die subjektive involvierung in den zuordnungsprozess als verb erlebt, ist es auch so, als ob man die evolution der innere bilder selbst bestimmt. das ist subjektiv, identifikation halt, aber wenn man im zustand der identifikation nicht zulässt, weil man lieber wie ein Schaf passiv geführt werden möchte, dann unterbricht man den prozess der weiterentwicklung und fällt in einen schlaf, einen sich wiederholenden kampf mit einer welt, die eine konstante zu sein scheint, weil ihr bild konstant ist. der unterschied zwischen harter arbeit und künstlerischer kreativität. darum gehört für mich zum "leiten lassen" auch aktive suche nach besseren bildern, wobei ich auch fremde bilder willkommen heiße, die ich ja bewusst in mir verwurzeln kann, wenn ihre qualität passend ist.

anmerkung: wenn ich von etwas visuellem/visualisiertem rede, meine ich eigentlich etwas förmliches, räumliches, was irgendwie irgendwelche daten repräsentiert. ich spreche nicht von zweichentrick enten auf einer wiese. solche metaphern sind aber als primitive möglichkeit mit darin. es gibt in dieser intelligenzlinie stufen der komplexität. manche bilder sind wie mindmaps, die man nicht konkret sehen könnte, weil sie eine dimension zu viel haben, so ähnlich wie man bei einem fraktal nicht zwei level gleichzeitig sehen kann, aber man kann zoomen. da kommen bildwechsel oder bewegung ins spiel. bewegung gehört sowieso fast immer dazu. bei einer mindmap sind auch medien wechsel enthalten, ein element ist comic, eines schrift, eines line usw ...

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